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Historischer Abriss - Die DDR-Meisterschaft 1952

 1945 bis 1950 - Die Vorgängervereine

1954 bis 1993 - Der Abstieg in den Bezirksfußball 

Die Gründung der “BSG Turbine” erfolgte am 15. Juli 1950. Ab der Saison 1950/51 startete die hallesche Mannschaft unter ihrem neuen Namen in die Meisterschaft. Im Schnitt mehr als 21.000 Zuschauer strömten ins Kurt-Wabbel-Stadion. Sie sahen Kantersiege gegen Lichtenberg, Pankow oder Weimar. Das 5:1 gegen Stahl Thale wollten sogar 35.000 Zuschauer sehen. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass beide Vereine mittlerweile nur noch auf Kreisebene spielen. Die schwache Auswärtsbilanz, darunter ein 2:7 in Thale kostete am Ende eine bessere Platzierung. Turbine spielte immer in der Spitzengruppe mit, am Ende reichte es aber nur zu Platz 6. Meister wurde Chemie Leipzig.
Die erfolgreichste Saison in der halleschen Fussballgeschichte sollte 1951/52 folgen. Nach einem schleppenden Saisonbeginn stand die Mannschaft am 14. Spieltag erstmals an der Tabellenspitze. Meistermannschaft 1952Niederlagen bei VP Dresden, Babelsberg und Vorwärts Leipzig kosteten zwischenzeitlich die Tabellenführung. Die bemerkenswerte Heimstärke ohne eine Niederlage und eine Serie von 10 Spielen mit 19:1 Punkten brachten Turbine wieder zurück an die Spitze. Die Meisterschaftsentscheidung sollte am 20.4.1952 in Erfurt fallen - drei Spieltage vor Saisonende. Tausende Hallenser begleiteten ihre Mannschaft, die es lange Zeit in diesem Spiel spannend machte. Nach der Erfurter Führung waren es Gerhard Kulitze und Otto Knefler mit einem Doppelschlag in der 76. und 80. Minute, die den Meistertitel sicherten. Lest hier, was die “Fussballwoche” dazu schrieb.
Knapp 23.000 Zuschauer strömten im Schnitt ins Kurt-Wabbel-Stadion. Zum letzten Heimspiel gegen Dresden kamen noch einmal 30.000 Fans. Was machte diese Mannschaft von Trainer Alfred Schulz aus, der vor dem Krieg in der Gauliga einst selbst ein Supertechniker bei Wacker Halle war? Ein Ausschnitt aus der Sonderausgabe zum 50. Geburtstag des Vereins gibt einen kleinen Einblick in das damalige Team.
Meisterschale 1952“... Mit seinen 34 Jahren gehörte Otto Werkmeister zu den Routiniers und Leistungsträgern. Er sowie die überragenden Läufer Herbert Rappsilber und Otto Knefler rissen alle anderen mit. Halles spielbegabtes, ausgeglichenes Team wirbelte die Konkurrenz durcheinander und faszinierte mit seinen stets offensiv ausgerichteten Flachpass- kombinationen die Massen ... “Ich glaube, Trainer Fred Schulz hatte einen großen Anteil. Aber allein hätte er es sicher nicht geschafft. Das ganze Umfeld stimmte damals, vom Management bis zur Ur-Gemütlichkeit in der Gosenschänke, unserer Stammkneipe”, nennt Walter Schmidt, damals im “magischen Quadrat” der Hallenser mit den Läufern Rappsilber, Knefler und dem linken Halbstürmer Schleif bzw. Kulitze eine Schlüsselfigur in der halbrechten Verbindung. Schulz, vor dem Krieg in der Gauliga bei Wacker Halle aktiv, baute auf das Kombinationsspiel. Immer wieder ließ er Flachpässe mit Direktablagen üben, hämmerte seinen Mannen das Freilaufen, das Mitdenken beim Spiel ohne Ball ein. Und er hatte Spieler, die seine geistige Vorarbeit bis ins kleinste Detail umsetzen konnten. Dabei ragte der legendäre Rappsilber sicherlich noch heraus. Einst aus Zörbig gekommen, wurde er Anfang der 50-er Jahre zu einem der besten Spieler Ostdeutschlands. Mit Knefler und Werkmeister ergänzte er sich glänzend. Knefler brachte aus dem Krieg eine schwere Verletzung mit, ihm mussten die Zehen amputiert werden. Dennoch gelang ihm der Sprung in die Elite, er spielte mit einem extra angefertigten Spezialschuh. Die beiden pfeilschnellen Außenstürmer “Fatty” Ebert und Karl Gola waren auf den Flügeln dankbare Abnehmer für die genauen Vorlagen von Knefler und Rappsilber. In der Mitte lauerte mit Stops ein kantiger Mittelstürmer, der mit 24 Toren einen entscheidenden Anteil am Turbine-Erfolg hatte. Der aus Burg gekommene Torwart Kegel verdrängte den routinierten Schlussmann Richter. Dieser war kein Kind von Traurigkeit, missfiel Trainer Schulz nicht wegen seiner Leistungen, sondern wegen seiner Vorlieben für die “süßen” Seiten des Lebens ... Was damals wichtig war: Halles Spielern fehlte es nie an ordentlichem Essen. “Das war mehr wert als ein Geldschein. Nach jedem Training und Spiel wurde für uns bestens gesorgt” erklärte Otto Werkmeister etwa 50 Jahre nach der Meisterschaft. 15 Mark erhielten die besten Spieler für einen Sieg. Nicht viel für große Sprünge, aber auch nicht wenig in der damaligen Zeit ... “

Zur Meistermannschaft 1952 gehörten:

Blüher, H.Ebert, K.Ebert, Franke, Gola, Haase, Happe, Heise, Kegel, Knefler, Kulitze, Löhr, Rappsilber, Schleif, Schmidt, Speth, Stops, Stricksner, Thomas, Werkmeister

Ein weiterer Höhepunkt war der Freundschaftsvergleich mit dem Norddeutschen Meister Hamburger SV. 42.000 Zuschauer sahen in einem spannenden Spiel ein leistungsgerechtes 2:2 zwischen beiden Teams. Turbine Halle vs. Hamburger SV
Dem Meistertitel folgte ein unerklärlicher Leistungsabfall 1953. Mit nur einem Punkt Vorsprung vor Absteiger Vorwärts Leipzig wurde der Abstieg verhindert. Ein Sieg im letzten Spiel gegen Motor Jena sicherte den Klassenerhalt. Zuvor 10 sieglose Spiele und die katastrophale Auswärtsbilanz bedeuteten den Sturz von Platz 4 auf Platz 13 der Tabelle. Ungebrochen war dennoch der Zuschaueransturm. Über 19.000 Zuschauer besuchten durchschnittlich die Heimspiele von Turbine Halle.
Unerreichte 24.000 Zuschauer im Schnitt besuchten die Heimspiele 1953/54 im Kurt-Wabbel-Stadion. Sogar 37.000 Fans wollten das Derby mit Chemie Leipzig sehen. Nach einer durchwachsenen Saison beendete das Team um Trainer Schulz das Jahr auf Platz 8. Es sollte die letzte Oberligasaison von Turbine Halle sein. Sportpolitische Entscheidungen und die Gründung der Sportclubs als Leistungszentren beendeten die Ära Turbine in der DDR-Oberliga.